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Eine der beliebtesten Geschmacksrichtungen weltweit ist Vanille. Symrise verarbeitet die „Königin der Gewürze“, wie sie oft genannt wird, zu vielen Tausend Produkten. Mit großem Engagement sorgt das Unternehmen dafür, dass der wichtige Rohstoff bis zum Jahr 2017 komplett nachhaltig gewonnen wird – eine Reise auf den Spuren der Vanille.

  • Fotos Marcus Pietrek
  • Text Marc-Stefan Andres

„Hm, Vanille“, freut sich das kleine Mädchen mit den dunkelblonden Locken und strahlt über das ganze Gesicht. Das Vanilleeis, an dem die Fünfjährige zufrieden schleckt, ist für die Verbraucher in aller Welt eines von vielen genussvollen Produkten, die Symrise mit über 1.000 Vanillearomen ermöglicht. Die Vielfalt ist deswegen so groß, weil Vanille nicht gleich Vanille ist. Ihr Geschmack reicht von sahnig-buttrig über würzig und zimtig bis hin zu rauchig. Sie steckt in fast allen Keksen und Kuchen, sie aroma­tisiert und harmonisiert Schokolade ebenso wie Ketchup oder Cola. Bei Eiskrem ist sie weltweit die Nummer 1. Und auch die Duftbranche nutzt den Rohstoff: für Parfüms, Raumdüfte oder Pflegeprodukte.

Was kaum ein Verbraucher weiß: hinter der Vanille steht eine hochkomplexe Lieferkette, die bis in den entlegenen Dschungel Madagaskars reicht. Dort, im Nordosten der Insel vor der Küste Afrikas, kultivieren tausende Kleinbauern die weltweit so begehrte Gewürzorchidee. In sorgfältiger Handarbeit hegen und pflegen sie ihre Orchideen, bestäuben die Blüten und ernten schließlich die reifen, grünen Schoten. Bis die Vanille schließlich – fermentiert und extrahiert – im Eis des kleinen Mädchens zu finden ist.

Für Symrise lohnt sich dieser lange Weg: das Geschäft mit der Vanille wächst von Jahr zu Jahr prozentual zweistellig. In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen seine Lieferkette grundlegend umgestellt und kontinuierlich ausgebaut – direkt an der Quelle in Madagaskar, wo es jährlich rund 10 % der nationalen Vanilleernte einkauft. Die Strategie war von Anfang an klar: „Wir wollen unsere Versorgung mit qualitativ hochwertiger Vanille für die Zukunft sichern,“ sagt Oliver Nembach. „Und wir haben schnell ­gelernt, dass das nur geht, wenn wir gleichzeitig den Lebensstandard der Vanillebauern erhöhen, ihren Bildungsstand verbessern und so auch ihre Zukunft absichern.“ Mittlerweile hilft Symrise über 7.000 Farmern dabei, ihre wirtschaftliche Position zu verbessern und unabhängiger zu werden.

Das große Ziel des Unternehmens ist herausfordernd: „Wir wollen bis zum Jahr 2017 unseren kompletten Vanillebedarf sozial und ökologisch verantwortungsvoll decken“, erklärt der Global Competence Director für Vanille. Zu Beginn des Engagements vor acht Jahren war das gar nicht einfach, waren die Einkäufer dafür doch von den Zwischenhändlern abhängig. Im Jahr 2006 haben wir daher als erstes Unternehmen unserer Branche vor Ort investiert und damit begonnen, direkt mit Kooperativen und sogar mit einzelnen Bauern zusammenzuarbeiten. „Das war Neuland für uns. Wir haben daher eng mit Entwicklungshilfeorganisationen und Nichtregierungsorganisationen kooperiert“, er­innert sich der 49-jährige.

Heute verbindet Symrise mit vielen Vanillebauern eine langfristige Partnerschaft. „Wir schulen die Menschen darin, die Qualität und den Ertrag ihrer Ernten zu erhöhen und zeigen ihnen, wie sie andere Anbaumöglichkeiten nutzen können.“ Hatten die Klein­unternehmer früher vor allem nur Vanille angebaut und sich damit auf eine einzige Ernte verlassen müssen, stellte Symrise ihnen nun zum Beispiel 87.000 Kakao- und 50.000 Nelkensetzlinge zur Verfügung. Zudem startete das Unternehmen eine eigene Krankenversicherung, investiert in Bildung oder gibt Mikrokre­dite für Reis in Trockenperioden. „All das machen wir nicht aus Wohltätigkeit. Mit unserem Engagement fördern wir die wirtschaftliche Stärke und Eigenständigkeit der Bauern. Das steigert die Qualität – und das Vertrauen“, erklärt Oliver Nembach.

Pioniere mit Leidenschaft


Im Rahmen der Food Ingredients Europe 2013, der größten Branchenmesse Europas, konnte sich Symrise gegen namhafte Konkurrenz durchsetzen: Das Unternehmen wurde für sein nach­haltiges Vanille-Engagement auf Madagaskar mit dem FIE Excellence Award in der Kategorie Nachhaltigkeitsinitiative des Jahres ausgezeichnet. Die Jury hob hervor, dass Symrise sich als „Pionier mit Leidenschaft“ für die nachhaltige Beschaffung von Vanille engagiert. Bereits 2012 hatte Symrise für seine Vanille-Aktivitäten auf Madagaskar den Deutschen Nach­haltigkeitspreis erhalten. Seither hat sich die Initiative des Unternehmens dort erheblich weiter­entwickelt: Symrise arbeitet mittlerweile mit mehr als 7.000 Farmern direkt zusammen und setzt sich für eine nachhaltige Verbesserung der Lebensbedingungen dieser Bauern ein.

Für Symrise ergibt dieses Engagement Sinn, weil es auch dem Geschäft dient. Ein Kernelement der Nachhaltigkeitsaktivitäten ist wirtschaftlicher Erfolg – für die Kleinbauern ebenso wie für Symrise. Nur so können die Projekte auch von Dauer und damit nachhaltig sein. „Als wir noch mit Zwischenhändlern gearbeitet haben, bekamen wir teils nur sehr spärliche Informationen darüber, woher die Vanille kommt und unter welchen Bedingungen sie angebaut, verarbeitet und gehandelt wurde. Durch die direkte Zusammenarbeit mit den Erzeugern wissen wir all das heute sehr genau“, so Nembach. „Auf diesem Weg können wir unseren Kunden hohe Qualität, größtmögliche Versorgungssicherheit und absolute Rückverfolgbarkeit bieten – ein echter Mehrwert.“

Über 100 Mitarbeiter sorgen bei Symrise in Madagaskar mittlerweile dafür, dass alles in eigener Hand läuft: Vom täglichen Dialog mit den Erzeugern über die traditionelle Fermentation der Schoten bis hin zur Extraktion der Vanille. „Wir engagieren uns nicht nur für mehr Nachhaltigkeit – wir haben die komplette lokale Wertschöpfung im Blick“, sagt Oliver Nembach. „2013 haben wir einen neuen Fermentations- und Lagerkomplex in Betrieb genommen. Und wir haben begonnen, eine moderne Extraktionsfabrik zu bauen, die in Kürze eingeweiht wird. Diese Investitionen in den Standort zeigen unser langfristiges Interesse.“

Durch die breite Aufstellung vor Ort können die Wünsche der Kunden besser bedient werden, sagt Gabriele Beier. Und die legen immer mehr Wert auf Nachhaltigkeit – mit unterschiedlichen Ausprägungen: „Einige unserer großen Partner gehen zum Beispiel dahin, biologisch angebaute oder fair gehandelte Produkte an­zubieten. Ein anderer Partner setzt auf Rainforest Alliance zertifizierte Produkte“, sagt die Key Account-Managerin, die für Symrise einen multinationalen Lebensmittelkonzern betreut. „Wir bieten jedem Kunden das Vanilleprodukt an, das am besten zu seinen Marken und Produkten passt – ob zertifiziert oder nicht.“

Die Schoten und Extrakte aus Madagaskar werden schließlich in der Aromenproduktion in Holzminden eingesetzt und in unterschiedlichen Kombinationen für die lokal, regional und global tätigen Kunden aufbereitet. Neben den reinen Extrakten gibt es verschiedene Aromentypen, an denen die Flavoristen und die Anwendungstechniker in Deutschland arbeiten. Der Geschmack der Konsumenten wird in den Entwicklungsprozess miteinbezogen. „Wir betreiben intensive Marktforschung und gehen individuell auf die einzelnen Märkte und deren speziellen Wünsche ein, damit unsere Kunden das richtige Produkt verkaufen können“, sagt Gabriele Beier. Das weltweite Symrise Vanilleteam arbeitet dazu eng mit den Kunden zusammen. Das ist immens wichtig, erklärt die Key Account-Managerin. „Denn nur auf diese Weise können wir die Vielfalt der Vanille richtig einsetzen – und damit Werte für alle schaffen. Auf der ganzen Welt, von Madagaskar bis Manhattan.“

Gemeinsam mehr erreichen


Gemeinsam mit unserem Kunden Unilever und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) haben wir eine umfassende Initiative ins Leben ­gerufen, um rund 4.000 Vanillebauern in der Sava-Region in Madagaskar bessere ­Lebensbedingungen zu ermöglichen. Die Entwicklungspartnerschaft umfasst ein dreijähriges Programm, das 32 Gemeinden sowie 44 Schulen erreichen wird und somit das Potenzial hat, das Leben von 24.000 Menschen in einer der ärmsten Regionen der Welt zu verbessern. Das Programm setzt dazu auf praxisnahe Trainingskurse, so genannte Farmer Field Schools, um die Bauern in bewährten Anbaumethoden zu schulen. Zudem sollen landwirtschaftliche Fachschulen zur Ausbildung junger Menschen entstehen und so der Zugang zu weiter­führender Schulbildung verbessert werden. Die Entwicklungspartnerschaft wird im Rahmen des Programms develoPPP.de des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert.

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