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Beschaffung


Die Rohstoffbeschaffung ist für Symrise zentraler Bestandteil einer nachhaltigen Wertschöpfung. Die teils sehr unterschiedlichen Erwartungen unserer Stakeholder und eine Vielzahl praktischer Herausforderungen verlangen einen ganzheitlichen Ansatz, damit wir unsere nachhaltigen Prinzipien bei der Beschaffung realisieren können.

Bei der Herstellung unserer Produkte verwenden wir rund 10.000 natürliche und synthetische Rohstoffe aus über 100 Ländern. Auf ihrer Basis stellen wir unsere rund 30.000 verschiedenen Produkte aus den Bereichen Duft- und Geschmackstoffe, kos­metische Grund- und Wirkstoffe sowie funktionale Inhaltsstoffe her. Unsere Produkte bestehen dabei neben Trägerstoffen wie zum Beispiel Ethanol vordergründig aus wertgebenden Vorprodukten, das heißt aus aromatischen Bestandteilen und Wirkkomponenten. Auf diese legen wir in unserer Beschaffungsstrategie einen besonderen Fokus.

Langfristiges Wachstum ist nur möglich, wenn wir weiterhin in der Lage sind, die Rohstoffverfügbarkeit und -qualität zu sichern sowie preislich wettbewerbsfähig zu bleiben. Soziale und ökologische Rahmenbedingungen beeinflussen diese Aspekte maßgeblich. Daher ist es nicht nur eine Frage der Verantwortung, sondern auch der langfristigen Wirtschaftlichkeit, höchste Standards in unseren Beschaffungsprozessen umzusetzen.

Die Organisationsstruktur unseres Einkaufs richten wir konti­nuierlich an sich verändernden Verhältnissen im Markt aus. Die Beschaffung organisieren wir dezentral in den beiden Geschäftsbereichen Scent & Care und Flavor & Nutrition, um Einkaufspro­zesse gezielter steuern und die Versorgungskette kontinuierlich optimieren zu können. Das 2012 erfolgreich etablierte Scorecard-System wurde 2013 weiter auf die spezifischen Bedürfnisse des ­Einkaufs adaptiert. Es unterstützt die Einkäufer mit relevanten Kennzahlen.

Mit unserem Responsible Sourcing Modell setzen wir auf kontinuierliche, enge Kooperation mit unseren Lieferanten, soziales und ökologisches Engagement vor Ort und strategische Partnerschaften mit unseren Schlüsselkunden.

Wachstum

  • Wir sichern unsere Rohstoffversorgung langfristig
  • Wir leisten einen Beitrag zum Schutz biologischer Vielfalt
  • Wir helfen Anbauern bei der Diversifizierung
  • Wir verbessern den Lebensstandard der Anbauer
  • Wir erhöhen die Wertschöpfung vor Ort

Effizienz

  • Wir reduzieren transportbedingte Emissionen
  • Wir investieren in regenerative Energiequellen
  • Wir steigern mithilfe von Trainings die Produktivität
  • Wir investieren in die lokale Infrastruktur

Portfolio

  • Wir bieten unseren Kunden verantwortungsvolle Produkte
  • Wir erzielen hohe Qualität und Erträge
  • Wir schaffen Transparenz, zum Beispiel durch Zertifizierungen

2013 kauften wir 208.000 Tonnen an Rohstoffen ein und verarbeiteten sie zu Produkten weiter. Unsere relativ geringen Prozessverluste entstehen vor allem in Extraktions- und Destillationsprozessen, die wir – wo sinnvoll – durch Recycling redu­zieren. So reinigen wir beispielsweise mehrfach in Produktionsprozessen benötigte Lösungsmittel und setzen sie erneut ein.

Lokale Wertschöpfung

Die so genannten Emerging Markets machen derzeit etwa 48 % unseres Geschäfts aus. Und auch in Zukunft wollen wir unsere Marktanteile in diesen Märkten ausweiten. Unsere gute Aufstellung in den wichtigsten Ländermärkten bietet uns nicht nur eine gute Geschäftsgrundlage mit regionalen und lokalen Kunden, sondern verschafft uns auch Zugang zu wichtigen Rohstoffen. Auch im Jahr 2013 haben wir diesen Ansatz weiter verfolgt und unter anderem unsere Geschäftstätigkeit in Madagaskar ausgebaut.

Um die Versorgungssicherheit bei Schlüsselrohstoffen zu er­höhen, verfolgt Symrise schon seit Jahren erfolgreich den Ansatz der Rückwärtsintegration. Im Hinblick auf wichtige Kernkompetenzen haben wir die Standorte unserer internationalen Produk­tionsstätten gezielt anhand der lokalen Verfügbarkeit der hauptsächlich eingesetzten Rohstoffe gewählt. Unsere Zitrus-Initiative in Brasilien und unsere Vanille-Initiative auf Madagaskar sind ebenso Beleg dafür wie das Gemüse aus unmittelbarer Nachbarschaft zum deutschen Standort Holzminden, das auch hier weiterverarbeitet wird. Wir kaufen dort nicht nur unsere Rohstoffe, sondern sind in die lokale Wirtschaft integriert, produ­zieren dort und schaffen Wert.

Dieser integrative Ansatz verschafft uns zahlreiche Vorteile wie eine hohe Ausbeute, eine sichere Versorgung, beste Qualität und größtmögliche Rückverfolgbarkeit. Gleichzeitig unterstützen wir lokale sozioökonomische Strukturen und leisten einen Beitrag zur Wertschöpfung vor Ort. Damit reduzieren wir nicht nur Kosten und Transportwege, sondern auch klimarelevante Emissionen. 59,3 % unseres Einkaufsbudgets gingen 2013 an Zulieferer, die im inländischen oder angrenzenden Umfeld unserer wesentlichen Unternehmensstandorte ansässig sind. Für die Rückintegration un­serer Supply Chain haben wir eine Due Diligence Unternehmensrichtlinie und entsprechende Prozesse definiert, die auch die ­Prüfung ökologischer und sozialer Risiken vorsieht.

Lieferantenmanagement

Unabhängig von der Rohstoffquelle legen wir stets großen Wert auf den nachhaltigen, effizienten Umgang mit Ressourcen – auch bei unseren Lieferanten. Mithilfe eines systematischen Managements stellen wir sicher, dass Lieferanten unsere Standards einhalten: So müssen neue Lieferanten sowohl Angaben zu den Themen Qualität, Produktsicherheit und Umwelt machen, als auch Auskunft geben zu ihrem Nachhaltigkeitsprogramm, zur Über­nahme sozialer Verantwortung in ihrer Lieferkette und zur Berücksichtigung ethischer Standards. Die wahrheitsgemäße Beant­wortung des Fragebogens zur Lieferantenaufnahme ist die nicht verhandelbare Basis für das Zustandekommen einer Geschäfts­beziehung. Wir fordern die Wahrung der allgemeinen Menschenrechte, den Verzicht auf jegliche Form der Kinderarbeit und Zwangsarbeit sowie die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben zu Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz. Darüber hinaus erwarten wir von unseren Lieferanten, dass sie ihren Mitarbeitern das Recht auf Versammlungsfreiheit und Kollektivverhandlungen zugestehen, mindestens die gesetzlichen Vorgaben zu Arbeitszeiten und Entlohnung ihrer Mitarbeiter einhalten und sich ein­deutig gegen Diskriminierung und Misshandlung bekennen. Diese Standards sind Teil unseres konzernweiten Risikomanagements. Im Rahmen dessen nehmen wir systematische Risiko- und Performancebewertungen aller Lieferanten auf der Grundlage wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Aspekte vor.  10

Kriterien für die Risikoanalyse sind:
  • Umsatz mit dem jeweiligen Lieferanten
  • Strategische Bedeutung des Rohstoffs
  • Anzahl alternativer Bezugsquellen für den Rohstoff
  • Ergebnis der Lieferantenqualifizierung
  • Herkunftsland des Lieferanten

Aus dieser Analyse resultiert eine gewichtete, globale Risikomatrix, welche die Basis unseres Lieferantenauditplans darstellt. Dabei werden nicht nur Rohstofflieferanten, sondern auch Spediteure und Verpackungslieferanten betrachtet.

Bei Lieferanten mit besonders ausgeprägtem Risiko, kritischen Rohstoffen oder in der Bewertung offenkundig gewordenen Problemen führen wir Audits durch. Schwerpunkte sind Produktsicherheit, Qualitätsmanagement, Arbeitssicherheit, Gesundheit, Umwelt und soziale Verantwortung. Entsprechen Lieferanten nicht unseren definierten Standards, werden gemeinsam Ver­besserungsmaßnahmen erarbeitet und eingeleitet. Können die verlangten Standards dennoch nicht eingehalten werden, wird die Geschäftsbeziehung in letzter Konsequenz beendet. Fälle, in denen eine Lieferantenbeziehung aufgrund eines Verstoßes gegen Ausschlusskriterien beendet wurde, gab es 2013 nicht.

Die internationale Plattform der Supplier Ethical Data Exchange (SEDEX) ist ein wertvolles Werkzeug, mit dem wir Lieferanten leichter beurteilen und unsere eigenen Daten gegenüber Kunden offenlegen können. Seit 2006 veröffentlichen wir auf der Plattform Informationen zu Arbeitsbedingungen und Arbeitnehmerrechten, Gesundheit und Sicherheit, Umwelt und ethischen Geschäftspraktiken. Mittlerweile sind alle Produktionsstandorte von Symrise SEDEX-registriert. Seit 2012 haben wir auch unsere 250 wichtigsten Lieferanten dazu eingeladen, sich bei SEDEX zu registrieren und uns ihre Daten offenzulegen. Insgesamt sind mittlerweile 204 Symrise Lieferanten auf SEDEX vertreten. Damit können wir heute rund 50 % unseres Einkaufsvolumens hinsichtlich der Einhaltung von Nachhaltigkeitskriterien in der Lieferkette bewerten.

Standards und Zertifizierungen

Nationale und internationale gesetzliche Vorgaben zum Schutz natürlicher Ressourcen bilden einen festen Bestandteil der Einkaufspolitik von Symrise. Beispielsweise setzen wir pflanzliche und tierische Rohstoffe, die von der CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) gelistet sind, konzernweit nur ein, wenn ihre Nachhaltigkeit durch den Lieferanten nachgewiesen werden kann.

Bei immer mehr natürlichen Rohstoffen kaufen wir Ausgangsprodukte mit zertifizierter Herkunft ein. Beispielsweise stammen die Palmöle und Palmölderivate, die wir weltweit verwenden, zum überwiegenden Teil aus Quellen, die vom Round Table on Sustainable Palm Oil (RSPO) zertifiziert sind. Für den Einsatz in Bio oder Fair Trade Produkten stehen weltweit etwa 1.500 Rohstoffe von Symrise zur Verfügung. Das entspricht etwa 15 % unseres Rohstoffportfolios in der EAME Region. Unsere Kunden fragen zertifizierte Produkte bislang primär bei ikonischen Inhaltsstoffen wie Vanille oder Lavendel nach. Als erstes Duftstoffunternehmen kauft Symrise seit 2013 CENSO-zertifiziertes Lavandin-Öl ein.

Ein Leuchtturmprojekt ist auch unsere nachhaltige Vanille-Initia­tive auf Madagaskar, wo wir 2013 insgesamt 2.457 Vanillebauern bei der Zertifizierung durch die Rainforest Alliance unterstützten. Mit unserer nachhaltigen Vanillebeschaffung haben wir auch die Jury des Supply Chain Management Award in zwei Vorrunden überzeugt: Symrise gehörte 2013 zu den vier Finalisten. Unsere Vanille-Initiative wurde 2013 außerdem mit dem FIE Excellence Award in der Kategorie Nachhaltigkeitsinitiative ausgezeichnet.

2013 wurde Symrise als Mitglied der Sustainable Spices Initiative (SSI) aufgenommen. Der nachhaltige Anbau und Einkauf von Rohstoffen stehen bei Symrise und SSI gleichermaßen auf der Agenda. Gemeinsam mit Kunden, Lieferanten und NGOs wollen wir aktiv in der SSI mitarbeiten, unser Wissen teilen und gleichzeitig neue Erfahrungen gewinnen.

Länderspezifische Gegebenheiten nehmen auch an anderen Standorten Einfluss auf unser Produktportfolio: Gerade im Mittleren Osten und Nordafrika ist die Nachfrage nach Produkten groß, die als kosher oder halal zertifiziert sind. Auch in weiten Teilen Asiens und in den USA gewinnen diese Zertifizierungen an Bedeutung. Weltweit sind bereits 49 % unserer Rohstoffe als halal zugelassen, 51 % sind kosher.

Der Anteil an Rohstoffen tierischen Ursprungs ist mit etwa 2 % sehr gering. Dennoch messen wir dem verantwortungsvollen Umgang mit Tieren ebenfalls eine hohe Bedeutung zu und fordern von unseren Lieferanten, dass sie die gesetzlichen Vor­gaben sowie Industriestandards zu Tierrechten einhalten.  11 Unser Einkauf weist betreffende Lieferanten in regelmäßigen Gesprächen auf EU-Richtlinien hin, die zum Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere allgemeine Mindestnormen festlegen. Diese umfassen die Themen Fütterung und Tränkung, Wohlbefinden, Schmerz- und Verletzungsfreiheit und Gesundheit, normales Verhalten sowie eine Behandlung, die weder Angst noch Leid verursacht. Unter anderem hat Symrise über die gesetzlichen Vorschriften hinaus festgelegt, nur Eiprodukte zu beziehen, wenn die Hühner mindestens in Bodenhaltung gehalten werden.

Genetisch veränderte Rohstoffe setzen wir nur zu einem sehr ­geringen Teil ein; weltweit betrifft dies etwas über 2 % unseres Rohstoffportfolios.  12 Wenn wir genetisch veränderte Rohstoffe einsetzen, folgen wir den lokalen regulatorischen Anforderungen und den höchsten Lebensmittelsicherheitsstandards. Ein wesentliches Kriterium sind dabei die Verbraucherakzeptanz und die damit verbundene Nachfrage. Eingesetzt werden diese Materialien überwiegend in Nordamerika und Asien. In Europa verwenden wir gemäß unserer Unternehmenspolitik keine genetisch veränderten Produkte.

Synthetische versus natürliche Rohstoffe

Endkonsumenten wünschen sich zunehmend Rohstoffe natürlichen Ursprungs. Der Anteil natürlicher Rohstoffe in unserem Portfolio beträgt bereits mehr als die Hälfte und steigt kontinuierlich. Eine vollständige Umstellung auf Rohstoffe natürlichen Ursprungs würde jedoch in vielen Fällen komplexe soziale und ökologische Folgewirkungen mit sich bringen: Eine stärkere Nutzung natürlicher Rohstoffe steht häufig in Flächenkonkurrenz mit der Lebensmittelproduktion und kann den Erhalt von Bio­diversität durch Monokulturen gefährden. Zudem verbrauchen synthetische Rohstoffe in der Herstellung oft weniger Energie als die Ernte und der Transport der natürlichen Version.

Unser Ziel kann also nicht sein, vollständig auf Rohstoffe natür­lichen Ursprungs umzustellen. Vielmehr wollen wir unsere Abhängigkeit von endlichen Rohstoffen weiter reduzieren. Dafür haben wir die Identifizierung alternativer Verfahren zur Rohstoffgewinnung zu einem unserer Forschungsschwerpunkte gemacht. Wir legen – unabhängig von der Rohstoffquelle – Wert auf den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen und versuchen, unsere Ausbeuten zu maximieren. Zu dieser Strategie halten wir auch un­sere Lieferanten an.

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